Akzeptanz statt Angst

Homophobie – Wie schwul ist das denn?

Veröffentlicht am 14. Juni 2011 von Gastautor
Kategorien: Top-Themen

Wer kennt sie nicht, die abfälligen Worte „Das ist soo schwul“ über den ganzen Schulhof geschrien.
Doch wissen diese Leute eigentlich, was sie da von sich geben? Ich schätze bei den Meisten lautet die Antwort „Nein“.
„Schwul“ als Schimpfwort zu benutzen ist halt „in“. Man sagt es einfach.
Wenn es nur das wäre …

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie (17.5.) wäre es doch mal angebracht, sich Gedanken darüber zu machen, was das eigentlich heißt. Wie gehe ich mit Homo- und Bisexuellen, mit Transgendern und überhaupt mit Menschen, die „anders“ sind als ich (auf welche Art auch immer), um? Schon mal drüber nachgedacht?
Gerade an Schulen ist es ein Thema, das man nicht umgehen, das man nicht unbeachtet lassen sollte. Es werden sich die Mäuler zerrissen, gekichert, nichtmal hinter vorgehaltener Hand. Die meisten Blicke sind, wenn schon nicht angeekelt, wenigstens verständnislos und strafend und die Schmähungen teilweise von der übelsten Sorte. Mangelhafte Akzeptanz, meist noch nicht einmal Toleranz, sind an der Tagesordung.
Manche halten es für eine (psychische) Krankheit, manche für schlichtweg inakzeptabel und für ein aus der Welt zu schaffendes Problem. (Dazu ein Beitrag aus dem Mitgliederforum der CDU).
Was geht nur in diesen Köpfen vor? Leute, in welchem Jahrhundert leben wir denn? Wacht auf. (→Hier ein (m.M.n.) sehr gelungener Kommentar dazu.)
Keiner verlangt von euch, Homosexuell zu werden, oder? Das wäre auch gar nicht möglich; niemand hat die Wahl. Niemand. Was auch immer Kirchen wettern mögen, was auch immer irgendwelche homophoben Dummköpfe meinen in die Welt schreien zu müssen: denkt doch bitte selber nach.
Würdet ihr euch Therapieren lassen, wenn ihr lieber Dramen guckt als Liebesschnulzen, nur weil irgendwer behauptet, das sei psychisch krank? Mit Sicherheit nicht.

Auch ein Thema für Lehrer

Maßgeblich zu mehr Akzeptanz beitragen, einfach durch „Gewöhnung“ an und das Verstehen von Homosexualität, könnte eine bessere Aufklärung in Schulen.
Denn das ist nun einmal die Realität: Es gibt nicht nur heterosexuelle Menschen.

Vor zwei Tagen las ich einen Artikel über zwei amerikanische Jungen, beide 11 Jahre alt, die kürzlich gestorben sind. Sie starben nicht durch einen Unfall. Beide haben sich umgebracht. Sie wollten nicht mehr leben, weil sie schwul waren. Und unter ihrem Umfeld zu leiden hatten.

hoch21

Sie verstehen sich selbst nicht. Sie werden nicht verstanden.
Und dann passiert so etwas.
Wäre es denn wirklich so schwer, derartiges mal anzusprechen? Und zwar nicht im Religionsunterricht, als „Sünde oder so was in der Art“. Sondern als ernstzunehmendes Thema, das durchaus real ist. Denn nur durch Gewöhnung und durch Verstehen kann man etwas akzeptieren. Ich denke, dass kaum jemand es mag, wenn er etwas nicht versteht …
Somit kann man eigentlich den wenigsten einen größeren Vorwurf machen als Unwissenheit, Vorurteile und Mainstream-Gerede. Wobei das schlimm genug ist.
Wäre es nicht fair, einfach mal die Klappe zu halten, wenn man keine Ahnung hat?
Leider scheint es meines Wissens nach vielen Menschen sehr Realitätsfern zu sein, sich über ein Thema zu informieren, bevor sie darüber herziehen … Und doch, wäre es nicht schön, wenn man das wenigstens in Betracht zieht? Ich habe manchmal das Gefühl, viele ernähren sich gerne von Gerüchten und Halbwahrheiten. Weil ihnen alles andere zu anstrengend ist. Ziemlich traurig.
Ich wage mal zu behaupten, dass jeder, der das hier liest, etwas ziemlich geniales hat, mit dem man unglaublich tolle Sachen anstellen kann: Das Internet. Nutze es. Die Welt steht dir offen, warum weiterhin engstirnig auf das hören, was gewisse Teile der Gesellschaft dir einreden wollen? Jeder, der diese Mühe nicht scheut, verdient Respekt. Denn wie gesagt, das ist bei weitem nicht selbstverständlich …
Ich würde mir einfach wünschen, dass du dir, soweit noch nicht passiert, ein eigenes Bild machst, bevor du das nächste mal unüberlegt sagst, wie „schwul“ oder „gay“ etwas doch ist. Bevor du das nächste mal über „Guck mal die! Die ist LESBISCH!“ das Gesicht verziehst oder anfängst zu kichern, weil du de facto keine Ahnung hast. Frag nach. Denk nach. Oder lass den Betreffenden einfach in Ruhe.
Tolerieren, dass es Dinge gibt, die du vielleicht nicht nachvollziehen kannst, die aber trotzdem ok sind.
Normal sind. Keine Krankheit, kein Problem oder Defekt.
Sondern einfach Liebe.
Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

von Hanna

 

Filmtipp: Prayers for Bobby
Trailer

Der Film erzählt die wahre Geschichte von Mary Griffith, einer Fundamentalchristin, die es nicht akzeptieren kann, dass ihr Sohn Bobby homosexuell ist sowie von ihrem Wandel nach dem Freitod ihre Sohnes zu einer Kämpferin für das Recht von Homosexuellen Menschen. Der Weg dahin ist lang, aber der Film zeigt dies auf eindrucksvolle und bewegende Weise. Von ziemlich heftigen Szenen über die Auslegung der Bibel in Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe bis hin zu Monologen, die Augen öffnen sollten.

(Rezension von amazon)

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