Latein-Kursfahrt der Jahrgangsstufe 10

„Signora Fiischaaa, wo ist Klaus?”

Veröffentlicht am 11. Juni 2011 von Gastautor
Kategorien: Klassenfahrt, Schule
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In der letzten Woche vor den Osterferien 2011 fand zum ersten Mal eine Studienfahrt der Lateinkurse der Einführungsphase nach Rom statt. Gemeinsam mit den Lateinlehrern Herrn Jahns und Frau Fischer gab es einen erlebnis- und anekdotenreichen Ausflug.

Die Vorbereitungen:
Obwohl die Fahrt auf den 12. April angesetzt war, begann sie schon im Vorfeld mit einer umfangreichen Vorbereitung. Diese war in drei Treffen zur Recherche für in Rom zu haltende Referate und Aufklärung über Rechte und Pflichten in Rom, darunter die Tarnung unserer deutschen Eigenarten, organisiert. Frau Westerhold, die selbst schon in Rom gewohnt hatte, bot uns zudem freundlicherweise an, uns an zwei weiteren Nachmittagen zum einen über die römischen Gepflogenheiten und besten Eisdielen, zum Anderen in Grundlagen der italienischen Sprache zu unterrichten.

12. April 2011 – Dienstag: Giolitti – ein guter Tipp
Der erste Tag unserer Reise begann, nachdem am Montag noch eine Lateinklausur geschrieben worden war, am Dienstagmorgen am Herforder Bahnhof. Schnell stellte sich dort heraus, dass die Bemühungen der gesamten Klasse sich, wie von Frau Fischer gefordert, an die italienische Kultur anzupassen durch die Touristenuniform (Strohhut, Sonnenbrille und Hawaiikette) eines Matthias „Matze” Lampenscherfs gänzlich zerstört wurde und wir somit die Romfahrt hindurch als „German-Travelling-Group” gebrandmarkt waren.

Beladen mit Rucksack und Koffer fuhren wir per Bahn zum Flughafen Köln/Bonn, wobei wir nur einen Zug verpassten. Es schloss sich eine Suche nach dem richtigen Gate, das Einchecken und schließlich, nach einer kurzen Pause, der Abflug zum Flughafen Rom Fiumicino an. Hier angekommen wurden wir per Bustransfer zu unserer Unterkunft, der Campinganlage Camping Roma an der Schnellstraße Via Aurelia, 4 km vom Vatikan entfernt, gebracht. Nach dem dortigen Einchecken wurden uns die Schlüssel für die Bungalows, in denen wir bis zum Samstag wohnen sollten, übergeben und wir bezogen die für drei Personen recht kleinen, aber für italienische Verhältnisse sehr sauberen mit Klimaanlage ausgestatteten Unterkünfte, die zusammen mit anderen mit weiteren Rombesuchern aus unterschiedlichen Nationen belegten Bungalows in langen Reihen standen.
Wie geplant nutzten wir den Rest des Tages, um einen ersten Eindruck der abendlichen Stadt zu gewinnen und fuhren mit Bus und einer der beiden Metro-Linien in Richtung des Trevi-Brunnens, der Piazza Navona und der Spanischen Treppe. Frau Fischer führte uns dabei zu einer der besten Eisdielen, Giolitti, die uns auch Frau Westerhold schon empfohlen hatte. Für 2,50 Euro bekommt man hier die Portion „Piccolo” (klein), drei Geschmacksrichtungen mit Sahne, in ordentlicher Größe. Zudem hatten wir Gelegenheit, an den zahlreichen Brunnen an Straßenecken unseren Durst und mit Pizza unseren Hunger zu stillen.
Bei unserem Zug durch die Straßen, der an der U-Bahn Station an der Spanischen Treppe endete, wurde klar, dass die Größe der Gruppe von 25 Leuten einen professionellen Führer brauchte, sodass Matze diesen Part übernahm. Seine Vorzüge: eine Stimme, die jeder Schüler unserer Schule schon einmal gehört hat, und ebenso eindringlich wie laut ist, sein Strohhut, der schnell einen ständig sichtbaren Orientierungspunkt darstellte und ebenso schnell seine Spuren in Matzes Frisur hinterließ.
Der Tag klang aus mit einer stundenlangen Wartezeit an der Bushaltestelle: Ja, der Bus kommt, da waren sich alle befragten, den falschen Bus fahrenden, Busfahrer sicher, aber wann, das lag in der Hand des alles bestimmenden und lahmlegenden römischen Verkehrs …

13. April 2011 – Mittwoch: Italienisches Frühstück
Der zweite Tag unserer Studienfahrt begann mit unserem ersten italienischen Frühstück, das für unsere deutschen Verhältnisse mehr als spärlich ausfiel: Brötchen, bei denen offensichtlich an Teig gespart worden war und die so aufgrund des Hohlraums als „Lochbrötchen” ihren Platz in unserem Vokabular fanden, Käse, Schinken, Salami, Marmelade, Nuss-Nougat-Creme, Cornflakes und Joghurt, alles von eher bescheidener Qualität. Zu essen hatten wir dies von Plastiktellern und mit Plastikbesteck, das öfter mal zu Bruch ging, und in einem Speisesaal, der ab 8:30 Uhr nicht nur mit Menschen, sondern auch mit der orangefarbenen Plörre aus dem Getränkeautomaten überschwemmt war. Apropos Getränke: in dieser Hinsicht hatte unser Campingplatz nur eine Hauptgeschmacksrichtung zu bieten: stilles Wasser. Jedoch mit, je nach dem, wie die Aufschrift auf Automat bzw. Flasche lautete, unterschiedlichen abartigen Nachgeschmäckern, so verbarg sich unter „Hot Chocolate” warmes Wasser mit bräunlicher Färbung, die vermutlich nicht von gewöhnlichem Kakaopulver herrührte…
Zudem begann der Morgen mit dunkelgrauem Himmel, sodass statt der Freiluftprogrammpunkte Forum Romanum und Kolosseum die überdachten San Clemente und Pantheon kurzfristig den Vorzug erhielten.
Nachdem wir uns also einigermaßen gesättigt, im dem Campingplatz gegenüberliegenden Supermarkt mit Verpflegung eingedeckt und Bus- und Metrotickets gekauft hatten, fuhren wir in Richtung Kolosseum, um dann zur Kirche und ehemaligen Mitras-Heiligtum San Clemente zu gehen, nun schon wieder unter blauem Himmel. Der Tag, für den das schlechteste Wetter prognostiziert war, entwickelte sich zum schönsten. An der Kirche wurde das erste Referat gehalten, was einen Einblick in die uns immer wieder einholende Geschichte der Konkurrenz zwischen christlicher Religion und dem römischen Götterkult bot und zudem auf architektonische und künstlerische Details der Kirche aufmerksam machte, obwohl die Referenten, wie viele von uns, nie zuvor in Rom gewesen waren.

„Matthias, Sie haben noch kein Abitur, Sie können doch nicht Ihre Lehrerin duzen!”

Herr Jahns

Als nächstes gingen wir zum Pantheon, über das wir nach einer kleinen Mittagspause Interessantes zu hören bekamen, und zur Piazza Navona, um den Vierströmebrunnen zu betrachten und vorgestellt zu bekommen. Hierbei ereignete sich eines der zahlreichen Gespräche, die es allesamt wert wären in einer Abi-Zeitung zu erscheinen: Herr Jahns und die Klasse suchen Frau Fischer. Jahns: „Wo ist denn jetzt Bärbel? Matthias, rufen sie doch mal!”, Matze (winkt mit Strohhut): „Bäääärbel!”, Jahns: „Matthias, Sie haben noch kein Abitur, Sie können doch nicht Ihre Lehrerin duzen!”, Matze (weiter winkend): „Signora Fiischaaa!” Andersherum ertönte, sobald Herr Jahns unauffindbar war, ein „Wo ist Klaus?”, angelehnt an die klicksafe.de Werbung.
Nach einem weiteren Aufenthalt am Trevibrunnen, hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Sehr beliebt waren die Ziele Giolitti und die Spanische Treppe mit anschließendem Gang auf den Monte Pincio, von dem der Blick auf Rom genossen werden konnte. Einige fuhren aber auch schon zum Campingplatz zurück. Dies gestaltete sich zwar als schwierig, da der römische Nachmittagsverkehr aus der Stadt heraus die Via Aurelia komplett lahmlegte und der Bus derart voll war, dass diejenigen, die nicht von vornherein zu Fuß zurückgegangen waren spätestens nach der Hälfte der Fahrt ausstiegen und an den stehenden Autos vorbei Richtung Campingplatz stiefelten. Es lockte jedoch, was uns am Bungalow erwartete: Frederick, Joschka, Tim, Kaan und Max hatten sich aus verschieden Utensilien aus dem Supermarkt einen Grill gebastelt, auf dem stolz Würstchen gegrillt oder, die vegetarische Variante, Pizza aufgewärmt wurde.

14. April 2011 – Donnerstag: Pizza, Papst und Souvernierverkäufer
Auf dem Donnerstagsprogramm stand nur eine Thematik: Der Vatikan. Auf dem Petersplatz trafen wir uns mit einer nach Rom ausgewanderten Deutschen, die hier Kunstgeschichte und Archäologie studiert hatte und uns in einer äußerst interessanten und gut gestalteten Führung über Petersdom und Papstgräber informierte. Aufgrund der Vorbereitungsarbeiten für Ostern und die Seligsprechung Johannes Paul II. waren offensichtlich nicht alle Sicherheitsvorkehrungen so, wie sie normalerweise abliefen. So wurde uns, statt uns wie am Flughafen auf Metallteile und Waffen zu untersuchen, nur kurz in den Rucksack geguckt – zum Ärger derer, die aufgrund des eigentlich geltenden absoluten Waffenverbots ihre Taschenmesser auf dem Petersplatz verstecken mussten, und dadurch letztendlich verloren. Der Besuch des Vatikan war aber insgesamt, vor allem für die Katholiken unter uns, einer der Höhepunkte der Fahrt.
Tim und Joschka erfreuten sich zudem an den hellblauen Kopfhörern, die zur Führung verwendet wurden und wir später behalten durften, indem sie sie als Armschmuck trugen und hatten außerdem Spaß daran, die zahlreichen Straßenverkäufer, die, immer auf der Hut vor Carabinieri, versuchten Rosen, Spielzeug, gefälschte Handtaschen und Sonnenbrillen an den Touri zu bringen, mit einem „Wanna buy a headphone?” in die Flucht zu schlagen.
Gegen Mittag verließen wir den Vatikan, blieben aber auf den Spuren des Christentums und des Papstes. Unser nächstes Ziel war die Engelsburg, der mittelalterliche Rückzugsort des Papstes, in den wir wegen der in Italien herrschenden Kulturwoche freien Eintritt hatten. Wir bahnten uns den Weg vorbei an Verteidigungsvorrichtungen auf das eine tolle Aussicht bietende Dach, während uns Matze von Burgen und den Schauplätzen von „Illuminati” berichtete.
Anschließen hatten wir erneut Freizeit, in der wir uns in der Stadt, zumeist mit Pizza, verpflegten.
Wer wollte, der traf sich am Nachmittag zusammen mit Frau Fischer und Herrn Jahns vor den Vatikanischen Museen. Damit nahmen wir die von der Vatikan-Führerin aufgezeigte Gelegenheit war, durch die Besichtigung der Museen kurz vor der Schließung, wirklich die ausgestellten Kunstwerke und nicht die Hinterköpfe und Fersen japanischer Touristen zu sehen. So sahen wir uns zunächst Statuen um die Laokoongruppe und mehrere Kaiserdarstellungen an und gelangten dann über die Raffaelstanzen, die trotz der Uhrzeit relativ voll waren, und einige Gemälde, die trotz des Ausstellungsortes erstaunlich kirchenkritisch erschienen, so z.B. einer der entstellten Päpste Francis Bacons, in die Sixtinische Kapelle. Dort strapazierten wir unsere Nackenmuskulatur beim An-die-Decke-Gucken gründlich, um bei dem später folgenden Referat über die Deckenfresken unsere Eindrücke mitteilen zu können. Anschließend gab es genügend Zeit, Souvenirs zu erstehen. Insgesamt war diese Besichtigung die Sternstunde Frau Fischers, die als Kunstinteressierte aufgeregt von einem Werk zum anderen sauste und versuchte uns mit dieser Begeisterung zu infizieren.

 

15. April 2011 – Freitag: Vom Streik bis zum „08-15-Cäsartempel“
Am Freitag zeigte sich einmal wieder die Situation Roms aus politisch/wirtschaftlicher Sicht: Nachdem wir am Dienstag schon eine Demonstration in der Stadt zu Gesicht bekommen hatten, wurden nun kurzfristig Busse und Metro Linea A bis zum Mittag bestreikt, sodass wir die Innenstadt mit der Bahn erreichen mussten.
Aufgrund des Tauschs der Programme vom Dienstag und Freitag, standen heute das Kapitol, das Forum Romanum und das Kolosseum an. Das hieß vor allem, dass es viele Referate zu halten und zu hören gab. Denn von der Aurel-Statue auf dem Kapitol bis zum Titusbogen am Ende des Forum Romanum wurde nicht nur ein Überblick über das Forum gegeben, sondern auch viele der zum Teil erhaltenen, zum größten Teil aber zerstörten bzw. abgebauten Gebäude genauer beschrieben und erklärt. So sahen wir vom „08-15-Cäsartempel” bis zur riesigen Maxentiusbasilika vieles, was die vagen Erinnerung aus dem Lateinunterricht auffrischte.
Zwischen der Besichtigung des Forum Romanum und dem treffen vor dem Kolosseum hatten wir eine kleine Pause, die viele auf dem grünen Gelände des Palatin oder beim Pizzaessen in der Stadt verbrachten. Zudem wurde die Gelegenheit genutzt, reichlich Fotos, unter anderem mit einem der vielen in Rüstung steckenden römischen Legionäre mit Gummischwertern, zu machen, ehe wir uns vor dem Konstantinsbogen trafen und über die noch ausstehenden Bauwerke Vorträge hörten. Anschließend wurde das Kolosseum von Innen in Augenschein genommen und beim Betrachten der Arena über diese Form der Unterhaltung im Sinne des Ausspruchs „homo homini lupus est” diskutiert.
In der Camping-Anlage wurde später der Geburtstag von Mareike gefeiert und die ersten Vorbereitungen für die Abfahrt am Samstag getroffen.

16. April 2011 – Samstag: Geburtstagsständchen und gepackte Koffer
Am Tag der Abreise mussten wir unsere Bungalows um 10 Uhr verlassen. Deshalb trafen wir uns nach dem Frühstück und dem Packen, um unsere Koffer unterzustellen und die Schlüssel abzugeben. Der Bus sollte uns um 13 Uhr abholen, sodass wir noch Zeit hatten das Referat über die Sixtinische Kapelle zu hören, Mathis (der heute Geburtstag hatte) und Mareike ein Geburtstagsständchen darzubieten und es uns dann am Pool auf den Liegen bequem zu machen. Trotz des strahlenden Sonnenscheins mussten wir uns dabei auf die Liegen beschränken, den Pool zu betreten war aufgrund der mangelnden Aufsicht verboten. Wir vergnügten uns die Zeit mit Lesen, Essen und Gesprächen und beobachteten die über den Himmel ziehenden Flugzeuge im Landeanflug auf Rom Fiumicino, von wo wir den Flieger Richtung Köln/Bonn am Mittag nahmen und von dort per Bahn zurück nach Herford fuhren.

Unser Fazit

Insgesamt war die Studienfahrt nach Rom aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Mit vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen von der italienischen Kultur und dem römischen Verkehr, den Trümmern auf dem Forum Romanum und Straßenhändlern davor, mit neu errungenem Wissen über das Berufsbild Papst und Eisverkäufer und mit den Erinnerungen an eine nette gemeinsame Zeit mit entspannten Schülern und Lehrern kehrten wir zurück nach Herford, wo das Eis nur halb so gut ist, aber der Verkehr doppelt so geordnet abläuft. Die Fahrt ist auf jeden Fall wiederholenswert, am besten mit Bärbel Fischer und (Wo ist) Klaus Jahns, die die bloße Studienfahrt zu einem erlebnis- und anekdotenreichen Ausflug gemacht haben.

Stefanie Bobe

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