Kursfahrt der J12: von Mumeltieren und Alpenwanderungen

Marmota marmota!

Veröffentlicht am 22. Juli 2011 von Gastautor
Kategorien: Klassenfahrt, Schule, Top-Themen

Abgesehen vom Murmeltier kennen wir jetzt die Alpen

Fast eine Woche lang waren wir auf der Meraner Hütte 1960 Meter über dem Meeresspiegel untergebracht. Von Meran aus führt eine Seilbahn hinauf in das Wandergebiet, von deren Bergstation aus dauert der Fußweg zur Hütte noch ungefähr eine Dreiviertelstunde.

Verpflegung vom Feinsten – auch ohne Plan B

Die Anreise war zeitlich knapp kalkuliert. Am Sonntag trafen wir uns mehr oder weniger wach schon um 6 Uhr 30. Das an Herrn Maschmeiers Rucksack befestigte Kletterseil löste bereits den ersten Schock des Tages aus – eigentlich war die Rede zuvor nur von Wandern gewesen. Nach einer Einweisung in den Gebrauch der Notausgänge durch unseren ersten Fahrer ging es endlich los. Wer seinen Schlafbedarf in der kurzen Nacht noch nicht vollständig gedeckt hatte, holte dies im Bus nach, was den anderen Fotos und Freude über diverse Schlafhaltungen bot. Herr Maschmeier schien sich besonders über die angeekelten Gesichtsausdrücke zu amüsieren, mit welchen vielfach auf das von ihm zur Einstimmung auf die Südtiroler Esskultur verteilte Schüttelbrot reagiert wurde – die Kümmelgewürzmischung ist nicht jedes Ostwestfalens Sache.
Geradeso erreichten wir noch die letzte Gondel. Erst im Nachhinein erfuhren wir, dass es keinen „Plan B“ (Herr Hebrock), keine Alternative zur Hütte für die erste Übernachtung gab. Für unseren zweiten Busfahrer Marco war diese eine böse Überraschung, ihm hatte niemand mitgeteilt , dass er in einer Berghütte wohnen würde.
Ein wenig enttäuscht fanden wir uns zum Abendessen in der Stube vor (nur) Salatschüsseln ein. Doch die anschließend vom Hüttenwirt Gruber, der sich ob der langsam auf acht wachsenden Zahl der Vegetarier leicht verstimmt zeigte, aufgetischten Hüttenmaccaroni waren für unsere nach der langen Fahrt ausgehungerten Mägen genau das Richtige. Damit noch nicht genug, folgten ein Wiener Schnitzel und eine Erdbeer-Biskuitrolle. Wir waren wohl die einzige Kursfahrt, die jeden Abend ein solches Vier-Gänge-Menü serviert bekam.

Unser morgendlicher Blick von der Hütte ins Tal von Meran.

Das Wandern ist des Schülers Lust

An jedem zweiten Tag versuchten wir uns an einer vom Hüttenwirt vorgeschlagenen Wandertour. Anstrengung (Herr Maschmeier beschwerte sich im Gipfelbuch des Großen Mittager: „Kackensteil und kein Mc Donald´s!“) wurde durch Aussicht belohnt.

„Kackensteil und kein Mc Donald´s!“

Eintragung im Gipfelbuch

Wandertour auf dem Panoramaweg

Sonnenbrände und Blasen blieben nicht aus, Nadine musste auf die zweite Wanderung sogar verzichten, um die Reste der Haut an ihren Fersen zu schonen.

Unachtsamkeiten in schwierigem Gelände sind selten folgenlos, so schlug sich Christian beim Versuch, Lena vor einem angriffslustigen Marmota zu retten, das Knie auf (diese Version hält er für heldenhafter als „beim Versuch, seinen Gürtel zu schließen über einen Stein gefallen“).
Außer Nadine „drückte“ sich niemand vorm Wandern. Anders als diverse Kommentare über den früheren Bergläufer Gruber, dessen Verständnis von Begriffen wie kurz, einfach, flach und steil von unserem leicht abweicht, es vielleicht vermuten ließen, hatten die meisten doch Spaß an dieser Art der körperlichen Ertüchtigung. Bei Ermüdungserscheinungen und körperlichen Gebrechen wurde sofort von allen Seiten Hilfe angeboten. Eine Art Teamgeist entstand, den Herr Maschmeier ausdrücklich lobte, den er aber auch durch den Versuch, Caro mit einem kläglichen Hilferuf „Marmota, marmota!“ seinen Rucksack aufzuschwatzen, ausnutzen wollte.

Besuch der Zivilisation …

Als Ausgleich zum Wandern, um unseren kulturellen Wissensdurst zu stillen und einzukaufen sind wir in die Städte Meran, Bozen und Verona gefahren, in denen wir uns in Gruppen frei bewegen konnten, sodass jeder sich anschauen konnte, was er wollte.

Der Dom von Meran

… von Meran (na ja, fast…)
Nicht alle fanden die Meraner Innenstadt vom Parkplatz direkt daneben sofort, eine große Gruppe ging zielstrebig in die entgegengesetzte Richtung, einen riesigen Umweg, fast über die Autobahn. Geradeso zum vereinbarten Termin zurück am Bus, ohne etwas Besonderes gesehen zu haben, konnten sie sich nur über einen bemerkenswert unfähigen Kassierer im Supermarkt freuen, der aus Versehen, oder weil er mit der Waage nicht umgehen konnte, das Obst verschenkt hatte. Zu besichtigen gewesen wären beispielsweise die gut gepflegte und bunt bepflanzte Passerpromenade, eine überschaubare aber schöne Innenstadt oder ein Brunnen, von dem die Lehrer besonders begeistert waren. Dessen Wasser soll gegen „Hartleibigkeit“ helfen. Dieser Begriff bezeichnet wie sie später herausfanden, Verstopfungen.

 

…Bozen

Zwar teures Essen, aber der Ausblick von Schloss Hocheppan lohnt sich!

In Bozen teilte sich die Gruppe auf: Einige wollten sofort in die Stadt, andere vertrauten auf den Geheimtipp, den Herr Voss sich hatte empfehlen lassen – eine Burg mit Aussicht über die Stadt und angeblich erschwinglichem Essen.

Der Weg dorthin stellte für den Bus durch erhebliche Steigung bei auf Hochtouren laufender Klimaanlage eine große Belastung dar. Endlich oben angekommen stellten Bene und Herr Hebrock fest, dass wir uns wohl doch ein günstigeres Mittagessen suchen sollten. Thauber, Herr Vothth!

…Verona
Verona zeichnet sich nicht nur durch das berühmte Amphitheater und den Balkon der Julia sondern auch durch unglaublich große Pizzen und Touristenfallen aus. Wird man von einem als antiker Römer Verkleideten mit „FottoFacebook?“ angesprochen, sollte man die Flucht ergreifen, statt sich mit ihm für ein viel zu hohes Trinkgeld vor der Arena fotografieren zu lassen. In den Menschenmengen gilt es gut auf seine Wertsachen zu achten. Wir empfehlen eine Ausweichroute durch weniger belebte Gassen. Hilfreich ist dabei ein Stadtplan, den man an der gut versteckten Touristeninformation
erhalten kann, wenn man sie ohne Stadtplan findet. Deshalb waren wir froh, eine italienisch sprechende Sonja dabei zu haben.

Verona und eine der beeindruckenden Brücken.

Flexible Niveauanpassung

Die Busfahrten zwischen den einzelnen Zielen waren konfliktgeprägt. Herr Hebrock favorisierte Unterhaltung durch die „Müller-Hits“, eine CD mit den hirnlosesten und nervigsten Schlagern aller Zeiten, allesamt der Marke „kann man auch besoffen nach den ersten zehn Sekunden mitgrölen“. Wer wenig Lust zum Mitsingen hatte, setzte sich für ein Alternativprogramm ein. Nachdem wir uns den Film Serenity angeschaut hatten, hätte das Niveau nur durch eine Fortsetzung (Herr Maschmeier kündigte bereits an, „Serenity 2“ bestellt zu haben) weiter sinken können, also hörten wir auf der Rückfahrt wieder „Müller-Hits“.

Flucht vor dem Barden und ein Brasilianer

Wieder auf der Hütte, blieb uns der Rest des Nachmittages und Abends als freie Zeit, die zum Sonnen, Lesen, Schreiben, Phase 10 und Kicker spielen verwendet wurde.
Die ersten Abende rettete uns der Kicker auf der Terrasse. Diverse fiese Sprüche und Witze über die Gegner, woran sich auch die Lehrer beteiligten, bereicherten das Kicker-Turnier zu guter Unterhaltung für die Umstehenden. Während Herr Maschmeier sich an Marisas ständigem Auf- und Abhüpfen erfreute, pries Herr Hebrock die eigene „brasilianische Spielweise“ an. Tatsächlich erwies er sich als guter Torschütze für beide Seiten.

„Und wenn sie ihn sehen, laufen sie alle wieder hoch.“

Christian zum klanglich anziehenden Gitarrenspiel von Herrn Maschmeier

Überhaupt war der Umgang mit den Betreuern sehr locker. Schüler und Lehrer witzelten mit-und übereinander, was aber niemand dem anderen dauerhaft übel nahm. Deshalb konnte Christian sich seinen Kommentar zum auf der Terrasse Gitarre spielenden und singenden Herrn Maschmeier erlauben. Auf den Spruch, bei diesem Klang kämen die südtiroler Frauen alle von den Bergen gelaufen, entgegnete er: „Und wenn sie ihn sehen, laufen sie alle wieder hoch.“

Zum Abschluss organisierten wir auf einen Vorschlag Herrn Voss´ hin einen Hüttenabend: die Schüler spielten gegen die Betreuer „Schlag die Lehrer“, Bene erzählte einen Witz („Timbuktu“), die Lehrer stellten Quizfragen und hatten einen musikalischen Beitrag vorbereitet, den wir später nachholen müssen, da die Hüttenruhe bereits begonnen hatte.

Das Fliegerlied – rückwärts, auf einem Bein, mit geschlossenen Augen…

Auf die letzte Gondelfahrt („rückwärts, auf einem Bein, mit geschlossenen Augen“) folgte die letzte Busfahrt, natürlich mit „Müller-Hits“. Das bloße Hören und mitsingen ließ sich an Peinlichkeit tatsächlich noch überbieten: An einer Raststätte zwischen Fulda und Kassel, an der wir unseren Busfahrer wechselten, mussten wir Schüler öffentlich das „Fliegerlied“ „performen“, unseren Einsatz im Spiel „Schlag die Lehrer“, das wir – so leider doppelt schmerzlich – verloren hatten.
Am Ende des Samstages zurück in Herford meldete unser dritter Fahrer schlechte Nachrichten: Er konnte den Kofferraum des Busses nicht öffnen. Der Schlüssel war leider mit Marco zwischen Fulda und Kassel ausgestiegen, sodass wir erst eineinhalb Stunden später an unser Gepäck kamen, als Marco eingetroffen war (Eine „Chaostruppe“ sind wir auch dahoam).

Carolin Bobe

*